Forschungsplan

Ziele

Im Zuge des Forschungsprojektes wird das architektonisch-städtebauliche Werk erstmals vollständig dokumentiert und von den etwa 250, zum grössten Teil realisierten Projekten eine charakteristische Auswahl differenziert dargestellt werden. Dies erfolgt vor dem Hintergrund der theoretischen Auseinandersetzung Bernoullis mit diesem Thema. Dazu sollen die publizistischen Arbeiten sowie die überlieferten Manuskripte, etwa seine Vorlesungen an der ETH und seine Vorträge, ebenfalls umfassend dokumentiert und wissenschaftlich ausgewertet werden. Ausserdem muss sein Engagement im Schweizerischen Werkbund, im Bund Schweizer Architekten und als Kurator diverser Ausstellungen in die Untersuchung einbezogen und systematisch aufbereitet werden.

Schon hier wird deutlich werden, dass nicht nur Bernoullis Architekturauffassung und sein Städtebaubegriff aufs engste miteinander verknüpft sind, sondern dass die gestalterische Arbeit für ihn eine eminent gesellschaftspolitische Frage war. Das Forschungsprojekt soll daher auch klären, welche Bedeutung die im weitesten Sinne volkswirtschaftlichen Überlegungen Bernoullis für seine Städtebaukonzeption hatten und inwiefern seine städtebaulichen Leitideen volkswirtschaftliche und daraus resultierend politische Implikationen hatten.

Fragestellung

Bernoullis Tätigkeit wird als Fallbeispiel für die übergreifende Frage nach der Rolle von Politik und Gesellschaft in der Architektur und in den Planungswissenschaften verstanden. Erforscht wird mit der interdisziplinären Aufarbeitung seines Oeuvres nicht zuletzt die Frage nach dem Metier des Städtebauers, das sowohl ästhetische als auch wirtschaftliche, soziale und technische Fragestellungen umfasst und zur Integration bloßer Einzelper- spektiven fast zwangsläufig den homo politicus im überparteilichen Sinne erfordert.

Bernoullis Werk und Wirkung weist vielleicht nicht zufällig Parallelen mit anderen Städtebauern der Moderne auf, heissen sie nun Martin Wagner in Berlin, Ernst May in Frankfurt oder auch der in dieser Trias am meisten dem Phantastischen zugetane Martin Mächler, wiederum in Berlin, die wie Bernoulli bis heute trotz Anerkennung ihrer großen Leistungen als Außenseiter gelten, weil sie sich nicht auf den bloßen Fachmann zur Lösung von Einzelfragen reduzieren lassen.

Methoden

Das Projekt muss dem interdisziplinären Ansatz des Themas gerecht werden und somit kunsthistorische mit ideen- sowie sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Methoden verbinden. Die gemeinsame Basis bildet jedoch die systematische, quellenkritische Auswertung der überlieferten Archivalien und Publikationen sowie der Forschungsliteratur. Darauf aufbauend wird das architektonische und städtebauliche Werk unter historischen, morphologischen und typologischen Gesichtspunkten untersucht und in die Architekturgeschichte der Moderne eingeordnet.

Die textlichen Überlieferungen von Hans Bernoulli werden sowohl mit dem architektonisch-städtebaulichen Werk in Zusammenhang gesetzt, als auch autonom historisch, textkritisch und ideengeschichtlich erforscht, um damit eine Brücke zur Auswertung des politischen Schrifttums unter Berücksichtigung wirtschaftshistorischer Zusammenhänge zu schaffen. Dieses Vorgehen ermöglicht eine über die blosse Formanalyse hinausgehende Verankerung des architektonischen und städtebaulichen Werkes innerhalb der Kultur- und Gesellschaftsge- schichte von Moderne und Gegenwart.